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Bye, bye .yu

Die Länderadresszone von Jugoslawien, .yu ist gelöscht. Zur Mittagszeit des 30. März wurde der Betrieb der Zone laut dem Serbian National Register of Internet Domain Names (RNIDS) eingestellt. Mit dem Wechsel der Rootzone von der Version 2010033101 auf 2010040100 verschwand .yu dann vollständig aus dem Netz. "Goodbye .yu" schrieb etwas nostalgisch RNIDS in einer Mitteilung auf seiner Seite, .yu sei nun Geschichte "wie andere Dinge des ehemaligen Jugoslawiens". Im Museum für jugoslawische Geschichte fand sogar eigens eine Abschiedsparty für .yu statt.

4000 Domains hatte es zuletzt unter .yu noch gegeben. Allerdings war spätestens seit März 2008 sicher, dass .yu gelöscht werden würde und seine Nutzer in die Länderadresszonen der Nachfolgestaaten, .rs für Serbien und .me für Montenegro ausweichen mussten. Nachdem Jugoslawien zerfallen war, hatte die für die Länderkürzel zuständige ISO Maintenance Agengy in Berlin der IANA 2003 mitgeteilt, dass es statt .yu künftig .hr für Kroatien, .ba für Bosnien-Herzegowina und .cs für Serbien und Montenegro führen werde. Bei der IANA wartete man in Abstimmung mit der serbischen Registry jedoch letztlich den Volksentscheid in Montenegro ab. Die Unabhängigkeit der kleinen jugoslawischen Nachfolgerepublik machte .cs rasch wieder obsolet.

Nach dem Start der serbischen .rs nahmen laut RNIDS schließlich 19.372 ehemalige .yu-Nutzer eine Vorregistrierungsmöglichkeit für ihre Domains unter .rs wahr. Um auch den 4000 hartnäckigen .yu-Anhängern eine letzte Gelegenheit zu geben, ihre Domains umzuziehen, wurde ein für den September letzten Jahres geplanter Termin zum Stop von .yu noch einmal um sechs Monate hinausgeschoben. Doch am Mittwochnacht war es dann soweit, dass .yu aus dem Netz verschinden musste.

Nach .um, der Top Level Domain für die United States Minor Outlying Islands, ist .yu die zweite Adresszone, die in der jüngeren Geschichte des DNS komplett aus dem Netz genommen wird. .um war 2008 gelöscht worden, ganz einfach, weil darunter keine einzige Domain eingetragen worden war, seit die TLD 1997 dem Information Science Institute an der University of Southern California (ISI), der von Jon Postel gehüteten Wiege des DNS, anvertraut worden war. Als nächstes richten sich die Augen nun auf .su, die TLD des lange verblichenen Sowjetreichs. (Monika Ermert) / ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. )